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Weggefaehrten, die erste

Mittwoch, 5. November 2008 19:13

Als ich in Mont St. Michel los gegangen bin, wollte ich nur dem Schmerz davon laufen. Ich bin jeden Tag 40 bis 45 Kilometer gelaufen, suche die Einsamkeit und rede bis jetzt mit kaum jemandem. Ich habe in einem Monat 1.000 Kilometer hinter mich gebracht und zehn Kilo verloren, aber den Schmerz fuehle ich jeden Tag. Meine Frau und ich haben 18 Monate versucht, gegen den Krebs anzukaempfen, aber wir haben verloren, ich habe sie verloren. Seitdem laufe ich auf dem Weg und versuche, vor meinem alten Leben weg zulaufen, aber bei jedem Schritt denke ich an meine Frau. Wir waren 30 Jahre verheiratet, haben zwei Kinder und waren sehr gluecklich. Bisher suche ich noch nach der Antwort, wie ich weiterleben soll.

„Der Franzose“

 

Mein Leben verlaeuft jeden Tag gleich. Ich stehe auf, gehe zur Arbeit, komme nach Hause, esse und gehe ins Bett. Und obwohl ich meine Arbeit sehr schaetze und meine Familie liebe, bin ich unruhig und ungluecklich. Meine Frau hat mich auf den „Weg“ geschickt. Jetzt laufe ich seit 200 Kilometern und versuche nur, meinen Kopf frei zu bekommen. Und es klappt, ich merke, dass es noch etwas anderes im Leben gibt, als Arbeit und ich mag ausserdem die sportliche Herausforderung – auch wenn meine Ruecken jeden Tag mehr schmerzt.  

Antonio aus La Mancha

 

Wir sind Ende September in Nantes los gegangen. Ich habe moderne Kunst studiert und hatte einen Job in Strassburg, der aber nichts mit meinem Studium zu tun hatte. Ich habe gekuendigt und bin nun seit anderthalb Monaten auf dem „Weg“. Meine beiden Brueder begleiten mich. In den ersten Tagen sind wir nur wenig gegangen, hoechstens 20 Kilometer und haben viele Pausen gemacht. Jetzt gehen wir bis zu 35 Kilometer am Tag. Ich habe fast drei Wochen gebraucht, um mich daran zu gewoehnen, dass ich schwer trage, jeden Tag laufe und so viele ungeordnete Gedanken in meinem Kopf habe. Jetzt laufe ich nur noch und denke nicht. Der „Weg“ ist fuer mich jetzt Meditation.

Jolie aus Nantes

Thema: Jakobsweg 2008 | Kommentare (0) | Autor: