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Schlafen

Donnerstag, 13. November 2008 18:26

Der Regen schlaegt auf das Kopfsteinplaster in der Altstadt. Es ist windig und kalt. Die einzige Herberge, die geoeffnet hat, ist in einer Kirche. Im Mittelschiff finden sonntags und mittwochs nach wie vor Gottesdienste statt, in den Seitenschiffen steht ein Etagenbett neben dem naechsten. Um zumindest ein wenig Waerme in die Raeume mit den hohen Decken zu bekommen, haengen alle fuenf Meter Heizstrahler, die werden aber um 22 Uhr beim allgemeinen Lichtloeschen ausgeschaltet werden. Der erste Pilger schnarcht schon eine halbe Stunde vorher.

In dem kleinen Dorf leben nur 13 Einwohner. Pepe war schon fuenf Mal auf dem Camino. Eigentlich kommt er aus Barcelona und hat dort Jahrzehnte als Tischler gearbeitet. „Der Camino ist mein Leben“, sagt er. Deshalb ist er in das kleine Dorf am Camino gezogen. In dem ueber 200 Jahre alten Haus nimmt er in zwei kleinen, tiefen Zimmern mit dunklen Balken an der Decke zehn Pilger auf. Wir sind zu dritt. Pepe kocht Paella und will keine Hilfe in der Kueche. „Bei mir koennen sich die Pilger ausruhen“, sagt er. Am Morgen gibt es ein typisches spanisches Fruehstueck – Café und Kekse.

Ein „Amigo del Camino“ oeffnet uns die schwere Holztuer und laesst uns ins Innere. Es ist nicht viel waermer als draussen. Aber wir sind die Ersten und somit sind die Duschen noch heiss und sauber. Im Saal stehen 30 Betten eng an eng. Es gibt kaum Platz, um seinen Rucksack zu verstauen oder die nassen Sachen aufzuhaengen, aber es gibt eine Heizung und der Raum ist angenehm warm. Zum ersten Mal schlafen wir mit 30 Pilgern in einem Raum. Wieder wird um 22 Uhr das Licht geloescht. Jede Minute piept die Notbeleuchtung, ein aelterer Mann schnarcht fuerchterlich und viele Pilger muessen mitten in der Nacht noch einmal aus den Betten und auf die Toilette. Es ist unruhig. Da helfen nur Ohrstoepsel. Um 7 Uhr geht das Licht wieder an.

Nach einer ausgedehnten Mittagspause im Sonnenschein kommen wir erst spaet in der Herberge an. Der Herbergsvater traegt unsere Rucksaecke nach oben in den Speicher der Kirche. Dort schlafen wir auch unter Jahrhunderte altem Gebaelk auf Matrazen auf dem Boden. Im Gemeinschaftsraum prasselt das Feuer im Kamin, jemand roestet Esskastanien fuer uns und gibt uns ein Glas Wein. Wir essen gemeinsam zu Abend. Es gibt Salat, Nudeln mit Ei und Bechamelsauce und abschliessend frische Fruechte. Der Herbergsvater, der eigentlich Polizist in Madrid ist, laedt uns zur Reflektion bei Kerzenlicht ein. Wir sind acht Pilger aus Spanien, Deutschland, Amerika, der Schweiz und Daenemark. Jeder spricht ueber seine Wuensche und Erfahrungen in seiner Sprache. Am naechsten Morgen werden wir mit geistlichen Gesaengen geweckt. Zum Fruehstueck gibt es Café oder Tee, geroestet Brot, Himbeermarmelade und kleine Kuechlein. Das reicht erst Mal fuer die ersten Kilometer.

Thema: Jakobsweg 2008 | Kommentare (0) | Autor: