„Charakter einer Mondmission“

Montag, 8. Juni 2009 13:47

 

Weinberg mit Keitumer Kirche

 

                                                                                                                                   „Den Wein sehe ich, aber wo ist der Berg?“, fragte ein Besucher, der zur Eröffnung des ersten Weinbergs auf Sylt eingeladen war. Viel zu sehen gibt es indessen wirklich nicht, denn die Wein-Setzlinge sind bisher nur 20 Zentimeter groß. Doch die abgesteckten Reihen, Metall- und Holzstäbe lassen das Weinfeld schon vermuten.

Kritische Stimmen sind die Betreiber des ersten Weinbergs auf Sylt allerdings schon gewöhnt und haben denen vor allem eins entgegen zu setzen: Zuversicht. „Das ist Pionierarbeit“, weiß Christian Ress vom Weingut Baltharsar Ress in Rheinland Pfalz selber: „Das hat schon ein wenig Mondmissons-Charakter“, so der Winzer.

Gleich neben der Keitumer Kirche liegt die drei Quadratmeter große Fläche, auf der in der letzten Woche an zwei Tagen 1.600 Reben gepflanzt wurden. „Das Grundstück ist ideal“, sagt Christian Ress. Es liegt eingebettet zwischen drei Hecken und ist ein wenig tiefer gelegen, so dass der Wind nicht ganz so empfindlich über die Pflanzen pfeift. „Vielleicht bauen wir auch noch eine Art Windschutz vor die offene Seite“, so Ress. Bis dahin werden die Reben aber schon mal von einem grünen Plastikmantel geschützt. Durch die Ummantelung entsteht zum einen eine Art Treibhauseffekt, der den Wein wachsen lässt, und er schützt vor Wildtieren, die sich ansonsten an den Reben gütlich tun würden. 

Angebaut werden Solaris und Rivaner. „Das sind zwei ganz spezielle Rebsorten, die hier eingesetzt werden“, sagt die Weinsachverständige Ursula Linssen vom Ministerium für Landwirtschaft aus Kiel. „Die sind Pilz-widerstandsfähig und haben eine kurze Vegetationszeit.“ 

Die kurze Vegetationszeit freut vor allem auch die Menschen, die ihre eigene Rebe für 89 Euro im Jahr gepachtet haben. Denn in bereits drei Jahren sollen die Setzlinge den ersten Wein abwerfen. Eine Flasche pro Jahr erhalten die Pächter. Vertrieben wird der Wein unter dem Label „55° Nord Solaris/Rivaner“. Gut ein Drittel des Sylter Weins geht an die Pächter – mehr Reben werden nicht verpachtet – und der Rest wird über das Weinhaus Schachner, Bismarckstraße 12, vertrieben. Dort können sich Interessenten auch unter der Telefon 26 519 über die Pacht und Bestellmöglichkeiten informieren. 

Auf Christian Ress und sein Team kommt zuvor allerdings noch allerhand Arbeit zu. Den Rebschnitt im Winter machen die Winzer aus dem Rheingau selbst. Für die Lese kommen die erfahrenen Weinbauern aus Hessen ebenfalls auf die Insel. Die Pflege und Bewässerung übernimmt allerdings ein Landwirt von der Insel. 

Und wie wird der Wein des nördlichsten Weinbergs Deutschlands wohl schmecken? Experten sprechen von Landwein-Qualität. Aber Christian Ress ist überzeugt: „Wir versuchen hier,  einen Top-Wein in Rheingau Kabinett-Qualität zu machen.“ Nur darf der Wein nicht als Kabinett bezeichnet werden. Denn für den Weinanbau gibt es komplizierte Vorschriften. „Und deshalb dürfen wir aus rechtlichen Gründen nur die einfache Qualität aufs Label schreiben“, so der Winzer. 

Das hat aber auch einen großen Vorteil: „Wir bieten Understatement – auf dem Ettikett ist der Wein ein Fiat, aber man bekommt einen Mercedes“.

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Berlin steht für Party – Düsseldorf für Business

Mittwoch, 22. April 2009 15:04

 

Philipp Kronen Bild: Igedo

Philipp Kronen Bild: Igedo

Die CPD wird im Juli neu aufgestellt. Philipp Kronen, Geschäftsführender Gesellschafter der Igedo, zu Ausstellerzahlen, neuen Modeschauen, Glamour und wie die Düsseldorfer besser in die CPD eingebunden werden können. 

 

 

1. Heißt die Konzentration auf den Bereich Womenswear auch gleichzeitig eine Reduzierung des Bereiches, heißt weniger Aussteller? 

Philipp Kronen: Die Konzentration auf den Bereich Womenswear bedeutet in erster Linie eine Konzentration auf unsere Stärken. Düsseldorf und die Igedo Company stehen traditionell für die Damenbekleidung. Diese Positionierung möchten wir mit der klaren Fokussierung auf diesen Bereich wieder ausbauen. So werden wir vom Markt wieder besser verstanden. Gleichzeitig werden wir die CPD und die Bodylook hochwertiger aufstellen. Qualität geht vor Quantität. Die Juli-Veranstaltung wird hier ein wichtiges Fundament legen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Ausstellerzahl schon allein durch die aktuellen Marktsituation noch einmal leicht zurückgehen wird. Man wird aber im Juli klar erkennen, dass die Reise in die richtige Richtung geht. Einige Entwicklungen treten jedoch zeitversetzt ein. Deshalb haben wir uns intern drei Veranstaltungen Zeit gegeben, die Messen wieder nach vorne zu bringen. Und ich bin guter Dinge, dass uns das auch gelingen wird. 

2. Was genau ist mit einer „modernen Ausrichtung“ gemeint? 

Philipp Kronen: Wir möchten weg von der klassischen hin zu einer zeitgemäßeren Präsentation der Mode. Gleichzeitig möchten wir wieder mehr Qualität in die Hallen bringen und dem Handel auch ein verlässlicher Informationspartner sein. Wir möchten den Beweis antreten, dass man auch in Messehallen Veranstaltungen wie die CPD toll inszenieren kann. 

3. Wie genau wird dem „ständig wachsenden Informationsbedürfnis“ nachgekommen? 

Philipp Kronen: In konjunkturell schwierigen Zeiten wie diesen ist es für den Handel extrem wichtig, bei der Order die richtigen Entscheidungen zu treffen. Setzt er modisch auf das falsche Pferd, könnte er ein Problem bekommen, weil er dann seine Ware nicht verkauft bekommt und somit mit deutlich weniger Umsätzen durch die Saison kommen muss. Aus diesem Grund werden wir das Informationsangebot in Form von beispielsweise Trendseminaren und Modenschauen ausbauen. Wo, wenn nicht auf der Messe, sollte der Handel diese Informationen in Düsseldorf finden? 

4. Konnten Sie neue Anbieter gewinnen? 

Philipp Kronen: Wir haben unsere Anmeldeunterlagen vor zwei Wochen verschickt, unser Vertriebsteam arbeitet gerade auf Hochtouren. Namen können wir von daher noch nicht nennen, wir sind aber dran. Neu wird aber etwa der Bereich „Italian Suite“ sein, in dem wir gemeinsam mit dem italienischen Modeverband hochwertige Labels aus Italien zeigen werden, die bisher noch nicht in einem Showroom oder auf der Messe ausstellen. Hier werden wir also mit einigen neuen und qualitativ hochwertigen Brands das Angebot der CPD ausweiten. 

5. Wie genau sieht das neue Schauenkonzept aus? Mehr Schauen, weniger Schauen, bekanntere Models, noch eher unbekannte Designer, neue Gesichter? 

Philipp Kronen: Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an unserem Schauenkonzept. Sicher ist schon mal, dass die Schauen in einem intimeren Rahmen stattfinden werden. Der Zuschauer wird näher am Geschehen dran sein. Das ist ganz wichtig. Und natürlich arbeiten wir auch daran, spannende Mode auf unseren Catwalk zurück zuholen.   

6. Die CPD trifft bei den Düsseldorfern auch immer auf großes Interesse. Deshalb meine Frage: Weichen Sie mit dem neuen Konzept auch mal in Veranstaltungsräume in der Stadt aus bzw. gibt es eventuell Veranstaltungen, zu denen auch Düsseldorfer Bürger eingeladen sind? 

Philipp Kronen: Die CPD ist traditionell eine klassische Fachmesse, eine echte B-to-B-Plattform. Sehr zum Bedauern der Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger. Die vielen Anfragen, die uns im Vorfeld der CPD erreichen, zeigen uns jede Saison aufs Neue, wie präsent die Messe in den Köpfen der Bevölkerung ist. Wir überlegen aktuell, wie man unter Umständen die Mode der kommenden Saison in die Stadt bringen könnte, können aber noch nicht absehen, ob sich unsere Idee finanzieren lässt. Aber wir arbeiten auch an diesem Thema. 

7. Die Fashion Week in Berlin findet bereits Anfang Juli statt. So gibt es keine Terminüberschneidung. Sehen Sie die Fashion Week gerade eher als Bereicherung des Marktes oder als Konkurrenz an?  

Philipp Kronen: Die Mercedes Benz Fashion Week Berlin verfolgt ein ganz anderes Konzept als wir. Von daher kann hier von Konkurrenz nicht wirklich die Rede sein. Der Termin Anfang Juli wird von vielen Designern als zum Teil viel zu früh erachtet. Grundsätzlich können wir aber mit der aktuellen Terminlage sehr gut leben: Berlin dient zu einem frühen Zeitpunkt der Informationen und drei Wochen später wird dann das Business in Düsseldorf gemacht. 

8. Mode wird häufig mit Glamour verbunden. Gibt es neue Veranstaltungen in diese Richtung? 

Philipp Kronen: Wichtige Modeakteure der Stadt haben vor zwei Wochen den Verein „Fashion Net Düsseldorf“ ins Leben gerufen, zu deren Gründungsmitgliedern auch ich gehöre. In diesem Verein werden wir uns sehr konkrete Gedanken darüber machen, wie wir das Modebusiness in Düsseldorf und den vielfach geforderten Glamour zusammenbringen können. Ich warne allerdings davor, hier immer den Vergleich zwischen Düsseldorf und Berlin anzustrengen. Berlin steht für Party, Düsseldorf für das Business. Aber ein bisschen mehr Glmaour stünde auch uns gut zu Gesicht.

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Rheinradtour, Tag eins

Dienstag, 14. April 2009 19:08

Selbst mittags zeigte der Rhein nur sein diesiges Gesicht. Der Start in Köln ist wie immer ein kleiner  Slalom über die Rheinpromenade. Ruhiger wird es erst an den Kranhäusern. Hinter Sürth wird es dann mühsam. Keine Rheinmystik, dafür aber Fässer, Leitungen, Rohre, Silos, viel Grau und Gasgestank. Dafür entlohnen knapp eine Stunde später erst Bonn und dann Bad Godesberg mit blumigen Promenaden, duftenden Büschen, herrschaftlichen Villen und endlich dem Blick aufs Siebengebirge. 

Den Drachenfels klettern wir nicht hoch, ein Gewitter ist im Anzug. Dabei hätten wir uns gerne in den Massentourismus eingereiht. Immer noch ist der Drachenfels der meist bestiegen Berg Europas. Die Holländer haben sich den knapp über 300 Meter hohe Berg schon ein wenig einverleibt. Im „Spitzen“-Restaurant locken neben Schnitzel auch die obligatorischen Pommes. Für die Engländer ist der Drachenfels nach wie vor der Inbegriff der Romantik. Einst von Lord Byron verdichtet und dann von William Turner gemalt, ist das Rheinpanorama aktuell wie zu Zeiten der großen Europareise.

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Kunst für die Nase

Montag, 23. März 2009 13:28

 

Karen Dubin

Karen Dubin

Es duftet nach Vanille und Holz, nach Pfeffer, Rosen und Nelken, nach Bambus und Jasmin. Für manchen riecht es so stark, dass er Kopfschmerzen bekommt. Doch für die Parfümjunkies von „Sniffapalooza“ ist die Duftmesse am Wochenende im Malkasten ein Paradies. Sie sprühen, tupfen und schnüffeln sich durch die unterschiedlichen Parfüms auf der Messe von Ulrich Lang  bis Serge Lutens, von Esteban bis Lorenzo Villoresi. Die Duftenthusiasten werfen beim Workshop von Parfumeur Thorsten Biehl auch einen interessierten Blick hinter die Kulissen. In Deutschland haben der Parfümerie Kooperationsverband „Cospar“ und der ehemalige Parfümeriehändler Frank J. Schnitzler die Duftmesse mit ins Leben gerufen. „Es gibt immer wieder wunderbare, neue Schöpfungen“, sagt er, „denn der Wunsch der Kunden nach Individualität wird immer größer“. Das bestätigt auch Karen Dubin. „Wir feiern Parfüm“, sagt die Gründerin der internationalen Duftliebhaber-Gemeinschaft „Sniffapalooza“. „Wir begreifen Düfte als eine Kunstform. Wir kritisieren nicht, sondern probieren alle Parfüms aus.“ Und vor allem kaufen die Duftfanatiker ein. Das macht sie auch so interessant für die Parfum-Industrie. „Wir haben ihnen Konsumenten gezeigt, die sie nicht kannten“, erzählt Frau Dubin. „Wir kennen uns aus und sind neugierig. Deshalb sind die Geschäfte an unserer Meinung interessiert.“ 

 

 

Über die Liebe zum Parfüm und zum Einkaufen hat sich die Gruppe vor sieben Jahren auch gefunden. Beim ersten Mal trafen sich vier Leute. „Es war wunderbar mit Menschen einkaufen zu gehen, die dasselbe lieben wie man selber“, sagt Dubin. Die Gruppe wurde mit jeder Veranstaltung größer. Mittlerweile sind 500.000 Duftlieber in dem internationalen Netzwerk vereinigt. 

 

Chandler Burr

Chandler Burr

Unterstützt wird „Sniffapalooza“ vom Parfümkritiker der New York Times, Chandler Burr. „Ich hatte nie Interesse an Parfüm“, sagt Burr, der eigentlich internationale Wirtschaft studiert hatte. Doch dann traf er am Pariser Gare du Nord einen Parfumeur und war so begeistert von dem Mann, dass er ein Buch über ihn schrieb. Als die New York Times ihn bat, Kolumnen für sie zu schreiben, tat er das unter einer Bedingung: „Parfüm ist Kunst und Bedarf einer Kunstkritik“. Die New York Times stimmte zu und leistet sich seither einen Duftkritiker – und Blurr ist begeistert von seiner „wunderbaren Freiheit“. Denn die meisten Journalisten, die über Parfüms schreiben, seien von den Parfümherstellern als Anzeigenkunden abhängig und würden jeden Duft in den Himmel loben und somit Blödsinn schreiben, kritisiert er die Kollegen. 

 

Blurr selbst prüft die Düfte nach vier Kriterien: 1. Nachhaltigkeit (Wie lange bleibt der Duft auf der Haut?); 2. Diffusion (Ein technisches Problem, das Können des Duftdesigners voraussetzt); 3. Struktur (Passen die Moleküle zueinander? Ebenfalls eine technische Bewertung); 4. Subjektive Meinung (Dabei geht es Blurr vor allem darum, ob der Duft neu und überraschend ist, er sein Denken und Fühlen positiv beeinflusst). Und es gibt ein Knock-out-Kriterium für den New Yorker: „Ein Parfüm muss Originalität haben, sonst erhält es Null Punkte“, Insgesamt verteilt der Parfümkritiker fünf Sterne und erhält selbst nach einem Verriss noch Unterstützung von den Herstellern. So watschte er das Parfum „Un jardin après la Mousson“ von Hermés ab und trotzdem sagen die Franzosen: „Einen wichtigen, unabhängigen Kritiker zu haben, ist wichtiger als alles andere“.

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„Beauty“: Für jeden ein Forum

Sonntag, 22. März 2009 13:24

Markus Schenkenberg  

Markus Schenkenberg

Vielleicht war es spontan oder übermütig, aber vielleicht hatte Hand- und Nagelpflegespezialist „alessandro“ auch einfach nur ein paar Scheine drauf gelegt. Auf alle Fälle dauerte es nur drei Sekunden und schon hatte Topmodel Markus Schenkenberg zur Freude seiner weiblichen Fans seinen muskulösen Oberkörper freigelegt. Das schwedische Model begründete seinen nackigen Auftritt am Freitagmorgen auf der Kosmetikmesse „Beauty“ so: Schenkenberg trug eine Jacke aus der Kollektion von Popsänger Justin Timberlake und dazu gehörten selbstverständlich feine braune Leder-Handschuhe. „Der Nachteil bei dieser Kombination ist: Wenn ich meine Hände befreie, muss ich mich ausziehen“, kokettierte der Schwede. Da er bei „alessandro“ aber eine Handpflegeserie für Männer vorstellte, musste er seine Hände zeigen. Also zog er Jacke und Handschuhe aus und zeigte – schwups – auch seinen gebräunten Oberkörper. 

Ganz so offenherzig zeigte sich „Miss Germany“, Doris Schmidts, nicht. Die dunkelhaarige Schönheit wirkte auf dem Termin „Spitzenkosmetik Made in Germany“ eher schüchtern und zurückhaltend. Viel zu sagen hatte sie auch nicht. Es ging wohl eher darum, ihr Gesicht für die Schminke eines deutschen Kosmetikherstellers aufzuhübschen. 

Viel mehr sagte bei dem Forum dagegen die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin, die bei dem Termin für ein wenig Wahlkampf sorgte: Zu viel Regulierung behindere das wirtschaftliche Wachstum war eine Schlagzeile, eine andere die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für arbeitsintensive Branchen. 

Wesentlich lockerer ging es da auf den „Beauty“-Terminen mit Choreograph und Modeltrainer Bruce Darnell sowie mit Dschungelcamp-Zicke Giulia Siegel am Sonntag und Montag zu. Darnell gab bei einem Podiums Gespräch Tipps für wahre Schönheit und Frau Siegel plauderte über ihre künstliche Haarverlängerung.

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„Handlungen werden zum Bild“

Sonntag, 22. März 2009 12:47

Schon als Kind hatte Günther Uecker eine innige Beziehung zu Papier. Das erzählt er in dem Film „works on paper“, der am Freitagabend zum ersten Mal in der Galerie „Geuer & Breckner“ gezeigt wurde. Er erzählt von Liebesbriefen, die er dann doch lieber zerknüllt hat, ohne sie abzuschicken und von der Scham seiner Gefühle als Jugendlicher. 

Neben dem Film von Michael Kluth, Fotos von Uecker bei der Arbeit und scheinbar bunt-verspielten Aquarellen werden sieben neue Werke mit dem Titel „Kalender“ noch bis zum 19. April in der Galerie gezeigt. Beeindruckend und auf eine wunderbar anschauliche Weise zeigt Kluths Film, wie Günther Uecker das neue Mappenwerk „Kalender“ in der Schweiz geschaffen hat. Nicht zart und leicht ist der Umgang mit dem Papier, sondern körperliche Schwerstarbeit: Uecker steht über einer Holzplatte gebeugt und hackt wuchtig mit einer Axt vertikale Linien in das Material, das später auf Papier gedruckt wird. Ein anderes mal strichelt er fast zärtlich mit dem groben Werkzeug feine Linien. Auch seine berühmten Nagelarbeiten werden in Papier gebannt – mit Prägedrucken. Sie zeichnen sich hell und plastisch gegen die arbeitsintensiven, konzentrierten Lithographien ab, die Uecker gemeinsam mit seinem Lithographen in der Schweiz immer und immer wieder überarbeitet, bis auch das letzte Pünktchen Schwärze genau an seinem Platz sitzt. Auch hier fasziniert die Körperlichkeit, die Arbeit mit der Presse. Beeindruckend wird auch die Herstellung des Büttenpapiers von Ueckers Papiermacher Heini Schneider gezeigt, das Schöpfen, Pressen und Trocknen. Der Clou des Regisseurs bei diesen Szenen: Kluth hat die intensive Arbeit nicht mit Hintergrundmusik versehen, sondern lässt die Stimmen, das Schnauben, Reißen, Knittern, Hacken oder das Ächzen der Presse für sich Sprechen. Der Zuschauer wird so unmittelbar in den Arbeitsprozess mit einbezogen. „Mein Körper spielt für meine Arbeit eine wichtige Rolle“, kommentiert Uecker die Szenen. Seine Füße, Hände und Finger kommen zum Einsatz.

Für diese Arbeiten ist nicht der feine Pinsel sein Werkzeug. Obwohl er auch die leichten Techniken beherrscht, wie seine zarten, scheinbar verspielt wirkenden Aquarelle in der Ausstellung zeigen. Entstanden sind sie ab 1980, als er mit seiner Kunstklasse in einer Psychiatrie arbeitete. Erst bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass es nicht nur grüne, gelbe oder blaue Tupfer und Striche sind. Ein grober Anhaltspunkt in den Aquarellen sind die Landschaften, in denen sich der Düsseldorfer Künstler aufhält. 

Uecker selber ist begeistert von dem Film, von dem starken Eindruck über seine Arbeit in der Werkstatt. „Die Handlungen werden zum Bild“, sagt er. 

Die Ausstellung „works on paper“ wird noch bis zum 19. April in der Galerie „Geuer & Breckner“, Altestadt 6 – 7, gezeigt. Der Film wird regelmäßig vorgeführt. Informationen gibt es unter 0211-54 22 13 10 oder auf der Internetseite www.geuerbreckner.de.

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Andere Welt

Freitag, 20. Februar 2009 23:36

Ich habe meinen Beobachtungsposten eingenommen. Unter meinem Fenster fließt eine andere Welt durch die Straßen Kölns. Es ist Weiberfastnacht. Eine Frau zieht selbst zum Einkaufen mit Perücke, bunter Sonnenbrille und Stoffstüte los. Ein Reporter vom WDR hat sich eine bunte Perücke auf den Kopf gezogen, in der Hand hält er einen CD-Player. Es behagt ihm nicht. Immer wieder läuft er mit seinem Kameramann die Straße auf und ab. Er soll die Kostümierten zum Singen bringen. Die blau-gelb Unifomierten wollen nicht. Ganz gut kommt der Fernsehmann bei Cowgirls und Piratinnen an. Die haken sich bei ihm ein und schunkeln mit ihm. Eine Lappenclown-Band spielt scheppernd für ihn „Kölle Allaf“. Der Reporter hat, was er will und trollt sich. Eine Braunbären-Mama hat es sich jetzt mit ihrem Eisbären-Kind vor der Dönerbude gemütlich gemacht. Sie warten. Kurze Zeit später kommen noch mehr Mamas mit Kindern – Blaue Bären, kleine Drachen und noch mehr Eisbären. Ein rot-weiß gekleideter Mann fährt mit dem Fahrrad vorbei. Um seinen Zylinder hat er eine weiße Federboa geschlungen, die im Fahrtwind flattert. Die bauschigen Röcke wogen, als eine Gruppe Marie-Antoinettes die Treppe der U-Bahn hochsteigt und kokett mit ihren Sonnenschirmchen wedelt. Die Perückenmänner (die ultimative Männerverkleidung, wenn nichts geht: Stiefel, Jeans, Parka und Perücke – und verkleidet ist der Mann) hängen sich an sie und verschwinden dann aus meinem Blickfeld. Genug geguckt.

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Stiefel bleiben Lieblingsschuh

Montag, 16. Februar 2009 13:36

Für Frauen gibt es eine gute Nachricht: Stiefel bleiben auch in der nächsten Saison weiter In. Das sagte Trendexpertin Claudia Schulz vom Schuhinstitut bei der Pressekonferenz  in der letzten Woche zur kommenden Schuhmesse GDS vom 13. bis zum 15. März. „Das neue Modebild wird vor allem authentisch sein und auf überflüssigen Schnick-Schnack verzichten“, so die Expertin über den Trend am Fuß. Auch der Stiefel wird ein wenig aufgehübscht. Die Schäfte werden höher, der Overknee (allerdings nicht à la „Pretty Woman“) wird salonfähig. Weiche Materialien, wie Nappaleder oder Velour, sorgen dafür, dass der lange Stiefel umfunktioniert werden kann. Die Absätze kommen mal als Plateau, mal flach oder als Keil ins Spiel. Auch bei den Männern setzen sich Stiefel durch. „Die neuen Farmerboots passen gut zu den verkürzten Hosen“, so Schulz. 

Ansonsten macht die Schuhexpertin für die neue Herbst/Winter-Saison drei Trend aus: 

1. „Obsession“: Der Purismus der 90er Jahre kommt mit Gothic-Anleihen zurück. „Feminin dramatisch“ wird der Look, der sich mit Plateau, als Collegeschuh mit Absatz oder skulpturalem Design vor allem in dunklen Farben, Violett und mit Brusheffekt zeigt. Bei den Männern setzt sich die „Nicht-Farbe“ Grau – auch in Lack-Optik – für Schnürer und Boots durch. 

2. „Collected“: Der Hippie-Look kommt mit vielen Fransen und Patchworkelementen wieder. Rot und Cognactöne sind In. Bei den Herren wird der Stil in Braun und Grau im klassischen Brit-Stil wieder entdeckt. 

3. „Balance“: Der Großstadt-Stil mit undefinierbaren Farbtönen von Grau bis Braun setzt sich für Männer und Frauen durch.

Ob sich Schuhe im Krisenjahr 2009 gut verkaufen lassen, kontern die Experten mit dem Spruch: „Schlechte Autojahre sind gute Schuhejahre“. Trotzdem ist die Präsidentin des Hauptverbandes des Deutschen Schuheinzelhandels, Brigitte Wischnewski, verhalten optimistisch: „Wir hoffen auf eine Nullrunde“, sagt sie. Und sie hofft, dass sich viele der neuen Modelle auch in den Läden  wiederfinden, denn der Schuheinzelhandel ordere mitunter etwas konservativ. Individuelle Angebote, wie beispielsweise in Holland, lassen sich bei Filialisten meist gar nicht finden. „Man muss als Verbraucher aufmerksam sein und in kleineren Geschäften schauen“, sagt sie. Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Schuhindustrie, unterstützt innovative Einkäufer voll und ganz: „Mehr Mut“, appelliert er deshalb an den Einzelhandel. 

Das wünscht sich Messe-Chef Werner Dornscheidt insgeheim auch von den Besuchern und Ausstellern. Zum Vorjahr gibt es einen Ausstellerrückgang von drei Prozent. Da hatte man mit mehr gerechnet. Zu den erwarteten Besuchern will sich der Messe-Chef aber lieber nicht äußern. Im letzen Jahr kamen 30.000 Besucher. „Wir hoffen aber, dass wir nicht zu stark einbrechen“, so Dornscheidt. 

Für Schuhliebhaber gibt es aber auch noch eine gute Nachricht: „Schuhe werden nicht teurer“, so Manfred Junkert.

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Durchschnitt in der Kunstakademie

Sonntag, 15. Februar 2009 17:51

Auf dem Boden liegen gruppiert graue Betonsteine, in die Ecke gedrängt hängen an einer Wand viel zu kleine und dadurch unauffällige Fotos von Gebäuden. „Vielleicht soll das grau in grau der Großstadt ein Kritikpunkt sein, doch das wird nicht deutlich“, sagt eine Besucherin, die schon seit Jahren zum Rundgang in der Kunstakademie kommt. 

Viel Tristes erwartet den Besucher auch in vielen weiteren Klassen im Erdgeschoss: Nichts sagende Skulpturen, unförmige Landschaften, verhuschte Installationen und Fotos, die durch die ungeschickte Hängung im Flur die Betrachtung verspiegeln. Nichts reizt, nichts lässt verweilen, nichts spricht an. Uninspiriertheit und Durchschnitt wehen durch den „Rundgang“. Doch plötzlich ein Lichtblick: In der Klasse von Tony Cragg haben sich die beiden Künstler Kerim Cinar und Ralf Hauser angestrengt. Cinar kommt aus der Türkei und studiert im dritten Semester an der Düsseldorfer Akademie. Seine Kunststoff-Skulptur aus Schweißstäben erinnert zwar ein wenig an den Nagelkünstler Günther Uecker, aber sie reizt mit Perspektive. Ralf Hauser entführt mit seiner Gorilla-Skulptur aus Epoxidharz und den Zeichnungen an den Wänden in eine leicht phantastische Welt. Das gefällt auch den Besuchern. Ein weiterer Versuch sich Abzusetzen kommt vom Lüpertz-Schüler Raafed Jarah. Er hat einen Zyklus zum Thema „Hähne und Hahnenkämpfe“ bearbeitet. „Hahnenkämpfe haben mich schon in meiner Kindheit in Kurdistan fasziniert“, sagt er. Doch im Vordergrund steht für ihn der Kampf als Symbol des Künstlers, der oft mit sich alleine ist und mit der Leinwand kämpft. In der Klasse von Professor Gostner sticht vor allem die Wandarbeit „Plateau“ von Johanna Flammer hervor. Die Künstlerin hat ein mystisches Blumenbild an die Wand geworfen, dass bei näherer Betrachtung ausgeschnittene Haare aus Papier zeigt. Auch der „Tiefschläfer“ von Anna Bauer, der zusammen gekrümmt am Boden liegt, zeigt Interesse am Menschen, der Ruhe im Schlaf sucht.

Im ersten und zweiten Stockwerk gehen vor allem die jungen Künstler in den Klassen der Malerei einiges leichter an und es gibt durchaus ansprechende Werke, obwohl auch hier viel hängt, das eher an die uninspirierte Husch-Husch-Produktion einer Schulklasse erinnert. Wenn das „I love my cunt“- T-Shirt eine Provokation darstellen soll, kommt es einige Jahrzehnte zu spät. 

Aber es gibt auch Schönes: Es fasziniert vor allem eine Malerei von Ellen Dederichs, die eine verschwommene Stadtlandschaft bei Nacht auf die Leinwand geworfen hat. Sebastian Riemer aus der Fotoklasse von Christopher Williams hat ein überraschendes Foto gestaltet. Das Bild mit dem Titel „Maske“ scheint zunächst nur aus Punkten zu bestehen, lässt bei längerem Hinsehen aber eine Maske erkennen. Das gefällt und macht Lust auf mehr. 

Aber woran liegt der Durchschnitt vieler Studenten? Es mangelt an Betreuung. Das zumindest kommt im Gespräch mit Einigen zum Vorschein. Niemand mag seinen Professor öffentlich kritisieren, aber es kommt immer wieder zum Ausdruck, dass es an Tipps, Tricks, Kritik, Zeit und Unterstützung durch die Professoren mangelt. „Man ist die meiste Zeit auf sich gestellt“, sagt ein Student.

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Es wird dunkler

Dienstag, 3. Februar 2009 12:30

Die CPD ist wie ein Laufsteg. Was im kommenden Herbst/Winter aktuell wird, ist schon in den Gängen der Düsseldorfer Messe zu sehen: Viel Strick, gedeckte Töne und vor allem Accessoires in beerigen Farben wie Mützen, Schals und riesige Taschen. Nur bei einem hofft man, dass sich das nicht in der kommenden Saison durchsetzen wird: die schwarzen, ledernen Schirmmützen der Messemitarbeiter, die eher an Rentnerausflug als an einen trendigen Stil erinnern.

Allgemein wird alles wieder etwas dunkler – aber mit Highlights: Die Aussteller gehen in die kommende Herbst-Winter-Saison mit gedeckten Farben. Das ließ sich auf der Modemesse am Wochenende klar erkennen. Grau bleibt in verschiedenen Schattierungen bestehen, genauso wir Türkis und Lila. Vor allem die Beerenfarben auf den Laufstegen können sich sehen lassen und machen Lust auf mehr. Kombiniert werden die Töne mit Karos und einer neuen Sehnsucht nach Romantik: Petticoats und Rüschen an Rock-Enden und Aufschlägen kommen wieder. Ein unbedingtes Muss sind außerdem Accessoires wie Mützen und Hüte, lange Schals und große Taschen – als Highlight ebenfalls in Beerenfarben. Die passen auch gut zum Look von Geschäftsfrauen, denn der Blazer bekommt ebenfalls wieder einen großen Auftritt: mal rockig in Leder, mal extravagant mit architektonisch angehauchten Schnitten oder glamourös im Animalprint. 

Kleider bleiben weiterhin im Trend und werden mit blickdichten Strumpfhosen und Stiefeln kombiniert. Die Länge variiert von Mini bis Maxi.

Aber auch kuschelige Typen müssen in der kommenden Saison nicht auf Strick verzichten. Wollige Wohlfühlkleidung kommt im kommenden Herbst-Winter als Rollkragen-Pullover zurück und feiert sowohl in der Frauen, als auch in der Männermode ein Comeback. Aber auch die XXL-Strickjacke tritt wieder ihren Siegeszug an und ist zu fast allem kombinierbar.

Bei den Männern setzt sich in der Herbst-Wintermode vor allem ein tragbare Mix aus Sport-, Formal- und Alltagskleidung durch. Es gibt zum Beispiel Jersey/Nylon-Sakkos, die im Büro, aber auch bei sportlichen Aktivitäten getragen werden können. Die Farben sind bei den Männern ebenfalls eher gedeckt und bewegen sich im Bereich der warmen Naturfarben. Wie bei den Frauen gibt es auch in der Männermode einen Trend zu Karos. Außerdem feiert der Stil der Dock- und Landarbeiter mit Lammfellkragenjacken und Leder ein Comeback. Auch bei den Accessoires greifen Männer mittlerweile zu: Zum Standard gehören Schals, sportliche Taschen und Krawatten, die sich allerdings mit ihrer schmalen Form  und neuen Materialien vom Look der Banker unterscheiden.

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