Beitrags-Archiv für die Kategory 'Kunst'

Kunst für die Nase

Montag, 23. März 2009 13:28

 

Karen Dubin

Karen Dubin

Es duftet nach Vanille und Holz, nach Pfeffer, Rosen und Nelken, nach Bambus und Jasmin. Für manchen riecht es so stark, dass er Kopfschmerzen bekommt. Doch für die Parfümjunkies von „Sniffapalooza“ ist die Duftmesse am Wochenende im Malkasten ein Paradies. Sie sprühen, tupfen und schnüffeln sich durch die unterschiedlichen Parfüms auf der Messe von Ulrich Lang  bis Serge Lutens, von Esteban bis Lorenzo Villoresi. Die Duftenthusiasten werfen beim Workshop von Parfumeur Thorsten Biehl auch einen interessierten Blick hinter die Kulissen. In Deutschland haben der Parfümerie Kooperationsverband „Cospar“ und der ehemalige Parfümeriehändler Frank J. Schnitzler die Duftmesse mit ins Leben gerufen. „Es gibt immer wieder wunderbare, neue Schöpfungen“, sagt er, „denn der Wunsch der Kunden nach Individualität wird immer größer“. Das bestätigt auch Karen Dubin. „Wir feiern Parfüm“, sagt die Gründerin der internationalen Duftliebhaber-Gemeinschaft „Sniffapalooza“. „Wir begreifen Düfte als eine Kunstform. Wir kritisieren nicht, sondern probieren alle Parfüms aus.“ Und vor allem kaufen die Duftfanatiker ein. Das macht sie auch so interessant für die Parfum-Industrie. „Wir haben ihnen Konsumenten gezeigt, die sie nicht kannten“, erzählt Frau Dubin. „Wir kennen uns aus und sind neugierig. Deshalb sind die Geschäfte an unserer Meinung interessiert.“ 

 

 

Über die Liebe zum Parfüm und zum Einkaufen hat sich die Gruppe vor sieben Jahren auch gefunden. Beim ersten Mal trafen sich vier Leute. „Es war wunderbar mit Menschen einkaufen zu gehen, die dasselbe lieben wie man selber“, sagt Dubin. Die Gruppe wurde mit jeder Veranstaltung größer. Mittlerweile sind 500.000 Duftlieber in dem internationalen Netzwerk vereinigt. 

 

Chandler Burr

Chandler Burr

Unterstützt wird „Sniffapalooza“ vom Parfümkritiker der New York Times, Chandler Burr. „Ich hatte nie Interesse an Parfüm“, sagt Burr, der eigentlich internationale Wirtschaft studiert hatte. Doch dann traf er am Pariser Gare du Nord einen Parfumeur und war so begeistert von dem Mann, dass er ein Buch über ihn schrieb. Als die New York Times ihn bat, Kolumnen für sie zu schreiben, tat er das unter einer Bedingung: „Parfüm ist Kunst und Bedarf einer Kunstkritik“. Die New York Times stimmte zu und leistet sich seither einen Duftkritiker – und Blurr ist begeistert von seiner „wunderbaren Freiheit“. Denn die meisten Journalisten, die über Parfüms schreiben, seien von den Parfümherstellern als Anzeigenkunden abhängig und würden jeden Duft in den Himmel loben und somit Blödsinn schreiben, kritisiert er die Kollegen. 

 

Blurr selbst prüft die Düfte nach vier Kriterien: 1. Nachhaltigkeit (Wie lange bleibt der Duft auf der Haut?); 2. Diffusion (Ein technisches Problem, das Können des Duftdesigners voraussetzt); 3. Struktur (Passen die Moleküle zueinander? Ebenfalls eine technische Bewertung); 4. Subjektive Meinung (Dabei geht es Blurr vor allem darum, ob der Duft neu und überraschend ist, er sein Denken und Fühlen positiv beeinflusst). Und es gibt ein Knock-out-Kriterium für den New Yorker: „Ein Parfüm muss Originalität haben, sonst erhält es Null Punkte“, Insgesamt verteilt der Parfümkritiker fünf Sterne und erhält selbst nach einem Verriss noch Unterstützung von den Herstellern. So watschte er das Parfum „Un jardin après la Mousson“ von Hermés ab und trotzdem sagen die Franzosen: „Einen wichtigen, unabhängigen Kritiker zu haben, ist wichtiger als alles andere“.

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„Handlungen werden zum Bild“

Sonntag, 22. März 2009 12:47

Schon als Kind hatte Günther Uecker eine innige Beziehung zu Papier. Das erzählt er in dem Film „works on paper“, der am Freitagabend zum ersten Mal in der Galerie „Geuer & Breckner“ gezeigt wurde. Er erzählt von Liebesbriefen, die er dann doch lieber zerknüllt hat, ohne sie abzuschicken und von der Scham seiner Gefühle als Jugendlicher. 

Neben dem Film von Michael Kluth, Fotos von Uecker bei der Arbeit und scheinbar bunt-verspielten Aquarellen werden sieben neue Werke mit dem Titel „Kalender“ noch bis zum 19. April in der Galerie gezeigt. Beeindruckend und auf eine wunderbar anschauliche Weise zeigt Kluths Film, wie Günther Uecker das neue Mappenwerk „Kalender“ in der Schweiz geschaffen hat. Nicht zart und leicht ist der Umgang mit dem Papier, sondern körperliche Schwerstarbeit: Uecker steht über einer Holzplatte gebeugt und hackt wuchtig mit einer Axt vertikale Linien in das Material, das später auf Papier gedruckt wird. Ein anderes mal strichelt er fast zärtlich mit dem groben Werkzeug feine Linien. Auch seine berühmten Nagelarbeiten werden in Papier gebannt – mit Prägedrucken. Sie zeichnen sich hell und plastisch gegen die arbeitsintensiven, konzentrierten Lithographien ab, die Uecker gemeinsam mit seinem Lithographen in der Schweiz immer und immer wieder überarbeitet, bis auch das letzte Pünktchen Schwärze genau an seinem Platz sitzt. Auch hier fasziniert die Körperlichkeit, die Arbeit mit der Presse. Beeindruckend wird auch die Herstellung des Büttenpapiers von Ueckers Papiermacher Heini Schneider gezeigt, das Schöpfen, Pressen und Trocknen. Der Clou des Regisseurs bei diesen Szenen: Kluth hat die intensive Arbeit nicht mit Hintergrundmusik versehen, sondern lässt die Stimmen, das Schnauben, Reißen, Knittern, Hacken oder das Ächzen der Presse für sich Sprechen. Der Zuschauer wird so unmittelbar in den Arbeitsprozess mit einbezogen. „Mein Körper spielt für meine Arbeit eine wichtige Rolle“, kommentiert Uecker die Szenen. Seine Füße, Hände und Finger kommen zum Einsatz.

Für diese Arbeiten ist nicht der feine Pinsel sein Werkzeug. Obwohl er auch die leichten Techniken beherrscht, wie seine zarten, scheinbar verspielt wirkenden Aquarelle in der Ausstellung zeigen. Entstanden sind sie ab 1980, als er mit seiner Kunstklasse in einer Psychiatrie arbeitete. Erst bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass es nicht nur grüne, gelbe oder blaue Tupfer und Striche sind. Ein grober Anhaltspunkt in den Aquarellen sind die Landschaften, in denen sich der Düsseldorfer Künstler aufhält. 

Uecker selber ist begeistert von dem Film, von dem starken Eindruck über seine Arbeit in der Werkstatt. „Die Handlungen werden zum Bild“, sagt er. 

Die Ausstellung „works on paper“ wird noch bis zum 19. April in der Galerie „Geuer & Breckner“, Altestadt 6 – 7, gezeigt. Der Film wird regelmäßig vorgeführt. Informationen gibt es unter 0211-54 22 13 10 oder auf der Internetseite www.geuerbreckner.de.

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Durchschnitt in der Kunstakademie

Sonntag, 15. Februar 2009 17:51

Auf dem Boden liegen gruppiert graue Betonsteine, in die Ecke gedrängt hängen an einer Wand viel zu kleine und dadurch unauffällige Fotos von Gebäuden. „Vielleicht soll das grau in grau der Großstadt ein Kritikpunkt sein, doch das wird nicht deutlich“, sagt eine Besucherin, die schon seit Jahren zum Rundgang in der Kunstakademie kommt. 

Viel Tristes erwartet den Besucher auch in vielen weiteren Klassen im Erdgeschoss: Nichts sagende Skulpturen, unförmige Landschaften, verhuschte Installationen und Fotos, die durch die ungeschickte Hängung im Flur die Betrachtung verspiegeln. Nichts reizt, nichts lässt verweilen, nichts spricht an. Uninspiriertheit und Durchschnitt wehen durch den „Rundgang“. Doch plötzlich ein Lichtblick: In der Klasse von Tony Cragg haben sich die beiden Künstler Kerim Cinar und Ralf Hauser angestrengt. Cinar kommt aus der Türkei und studiert im dritten Semester an der Düsseldorfer Akademie. Seine Kunststoff-Skulptur aus Schweißstäben erinnert zwar ein wenig an den Nagelkünstler Günther Uecker, aber sie reizt mit Perspektive. Ralf Hauser entführt mit seiner Gorilla-Skulptur aus Epoxidharz und den Zeichnungen an den Wänden in eine leicht phantastische Welt. Das gefällt auch den Besuchern. Ein weiterer Versuch sich Abzusetzen kommt vom Lüpertz-Schüler Raafed Jarah. Er hat einen Zyklus zum Thema „Hähne und Hahnenkämpfe“ bearbeitet. „Hahnenkämpfe haben mich schon in meiner Kindheit in Kurdistan fasziniert“, sagt er. Doch im Vordergrund steht für ihn der Kampf als Symbol des Künstlers, der oft mit sich alleine ist und mit der Leinwand kämpft. In der Klasse von Professor Gostner sticht vor allem die Wandarbeit „Plateau“ von Johanna Flammer hervor. Die Künstlerin hat ein mystisches Blumenbild an die Wand geworfen, dass bei näherer Betrachtung ausgeschnittene Haare aus Papier zeigt. Auch der „Tiefschläfer“ von Anna Bauer, der zusammen gekrümmt am Boden liegt, zeigt Interesse am Menschen, der Ruhe im Schlaf sucht.

Im ersten und zweiten Stockwerk gehen vor allem die jungen Künstler in den Klassen der Malerei einiges leichter an und es gibt durchaus ansprechende Werke, obwohl auch hier viel hängt, das eher an die uninspirierte Husch-Husch-Produktion einer Schulklasse erinnert. Wenn das „I love my cunt“- T-Shirt eine Provokation darstellen soll, kommt es einige Jahrzehnte zu spät. 

Aber es gibt auch Schönes: Es fasziniert vor allem eine Malerei von Ellen Dederichs, die eine verschwommene Stadtlandschaft bei Nacht auf die Leinwand geworfen hat. Sebastian Riemer aus der Fotoklasse von Christopher Williams hat ein überraschendes Foto gestaltet. Das Bild mit dem Titel „Maske“ scheint zunächst nur aus Punkten zu bestehen, lässt bei längerem Hinsehen aber eine Maske erkennen. Das gefällt und macht Lust auf mehr. 

Aber woran liegt der Durchschnitt vieler Studenten? Es mangelt an Betreuung. Das zumindest kommt im Gespräch mit Einigen zum Vorschein. Niemand mag seinen Professor öffentlich kritisieren, aber es kommt immer wieder zum Ausdruck, dass es an Tipps, Tricks, Kritik, Zeit und Unterstützung durch die Professoren mangelt. „Man ist die meiste Zeit auf sich gestellt“, sagt ein Student.

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