Beitrags-Archiv für die Kategory 'die wochenglosse'

Andere Welt

Freitag, 20. Februar 2009 23:36

Ich habe meinen Beobachtungsposten eingenommen. Unter meinem Fenster fließt eine andere Welt durch die Straßen Kölns. Es ist Weiberfastnacht. Eine Frau zieht selbst zum Einkaufen mit Perücke, bunter Sonnenbrille und Stoffstüte los. Ein Reporter vom WDR hat sich eine bunte Perücke auf den Kopf gezogen, in der Hand hält er einen CD-Player. Es behagt ihm nicht. Immer wieder läuft er mit seinem Kameramann die Straße auf und ab. Er soll die Kostümierten zum Singen bringen. Die blau-gelb Unifomierten wollen nicht. Ganz gut kommt der Fernsehmann bei Cowgirls und Piratinnen an. Die haken sich bei ihm ein und schunkeln mit ihm. Eine Lappenclown-Band spielt scheppernd für ihn „Kölle Allaf“. Der Reporter hat, was er will und trollt sich. Eine Braunbären-Mama hat es sich jetzt mit ihrem Eisbären-Kind vor der Dönerbude gemütlich gemacht. Sie warten. Kurze Zeit später kommen noch mehr Mamas mit Kindern – Blaue Bären, kleine Drachen und noch mehr Eisbären. Ein rot-weiß gekleideter Mann fährt mit dem Fahrrad vorbei. Um seinen Zylinder hat er eine weiße Federboa geschlungen, die im Fahrtwind flattert. Die bauschigen Röcke wogen, als eine Gruppe Marie-Antoinettes die Treppe der U-Bahn hochsteigt und kokett mit ihren Sonnenschirmchen wedelt. Die Perückenmänner (die ultimative Männerverkleidung, wenn nichts geht: Stiefel, Jeans, Parka und Perücke – und verkleidet ist der Mann) hängen sich an sie und verschwinden dann aus meinem Blickfeld. Genug geguckt.

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Käfer und Katze

Dienstag, 27. Januar 2009 17:21

Vor einer Woche habe ich zwei dicke Marienkäfer auf der Straße gesehen – einen großen und einen kleinen. In Köln heißt das nicht, dass der Frühling kommt, sondern dass bald Fastenzeit ist. Der Karneval sprießt an allen Ecken und Enden in der Stadt. Als am ersten Tag nach den Weihnachtsfeiertagen die Geschäfte wieder geöffnet hatten, war die Weihnachtsdeko – na klar! – verschwunden. Dafür konnte man aber gleich rote Pippi Langstrumpf-Perücken und weiße Clown-Schminke kaufen. Wenn man nicht im Rheinland geboren wurde, verwundert einen das in jedem Jahr aufs Neue. Man zuckt zusammen, wenn man auf der Straße dicke Männer mit weißen, engen Hosen, knallorangenen oder erdbeerroten Uniformjacken und einem Dreispitz auf dem Kopf sieht. Oder Frauencliquen, die alle als Vogelscheuche, Piraten, Cowboy oder dicker Lappenclown verkleidet sind und durch den Hauptbahnhof irren (und das nicht, um auf einer Junggesellinnen-Verabschiedung die Altstadt unsicher zu machen). Im Schreibwarenladen gibt es kein Papier oder Füller mehr in der Auslage, nur rot und weiß (die Kölner Farben) – auf Schals, Gläsern, Leuchtansteckern, Perücken, Hemden, und, und, und. Die Apotheke wirbt mit ganz vielen Luftschlangen, Konfetti, einem Clown mit roter Nase, umgekippten Kölschgläser und ein wenig Aspirin. Da weiß man, was man nach einer Karnevals-Nacht braucht… 

Gestern habe ich die dicken Marienkäfer übrigens wieder gesehen. Mutter und Tochter. Sie warteten vor einem Laden auf jemanden, wohl auf den dazugehörigen Vater. Der freute sich von links bis rechts über das ganze Gesicht, als er aus dem Geschäft trat. In einer Tüte trug er seine „Alltagskleidung“, das Kostüm hatte er gleich an. Er geht als dicke Katze.

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