Auf dem Weg in die Ostsee – Brieftauben

Stempel mit Täubchen

Man muss es auch mal positiv sehen: Das Schöne am nordischen Grönlandsommer ist doch, dass man auch mal Zeit für andere Dinge – außer Segeln – hat; nämlich ins Museum gehen. Und da begegnen einem Kuriositäten. In Tönning gab es nämlich bis 1912 die letzte deutsche Königliche Brieftaubenstation.
Bei Wind und Wetter flogen die Vögel zwei- bis dreimal im Monat von Tönning zu den Feuerschiffen, die vor der Küste auf Untiefen und Sände aufmerksam machten. Die Seeleute an Bord notierten auf kleinen Zetteln Wind- und Wetterdaten sowie Schiffsbewegungen und sendeten die Täubchen zurück an Land. Etwa eine Viertelstunde Flugzeit dauerte es, bis die wieder in ihrem heimatlichen Holzverschlag waren.
An Bord der Feuerschiffe hatte man eigens für die Brieftauben kleine Landeplattformen errichtet. War das Wetter allerdings gar zu widrig, konnte es auch schon mal passieren, dass eine Taube etwas länger unterwegs war oder sogar verloren ging. Das passierte aber – ein Glück – nicht, als sich vor der Eidermündung ein Unglück abspielte, das die Mannschaft an Bord eines der Feuerschiffe beobachtete, aber nicht helfen konnte. Sie sendeten daraufhin eine Brieftaube nach Tönning und die schickten ein Segelboot mit einer Rettungsmannschaft, die die Havarierten schließlich mit einem Ruderboot retteten.
Die Königliche Brieftaubenstation hielt sich übrigens länger als alle andere Brieftaubenstationen – und dass obwohl es zu der Zeit schon Funk gab. Doch irgendwann hat die neue Zeit auch die Tauben überholt. Funk ist einfach schneller.

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Datum: Donnerstag, 9. Juli 2015 16:35
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