Sisyphos der Strasse

Seitlich, vorne, hinten, oben und rabenschwarz: Die Fahrraeder der Kohletransporteure sind so vollgepackt, dass sie selber keinen Platz auf ihrem Vehikel finden. Abgezehrt und duenn sehen die Maenner aus, die muehevoll ihre Raeder die Berge hochschieben. Morgens um zwei, drei Uhr beginnt ihr Arbeitstag. Weit hinter Ramgarh machen sie sich auf den Weg nach Ranchi. 60 bis 70 Kilometer legen sie mit den bleischweren Raedern zurueck. Sie teilen sich die Strassen bergauf, bergab mit den Truckern, die sie haeufig erst in der letzten Sekunde wahrnehmen. „Deshalb gibt es immer wieder toetliche Unfaelle“, sagt Schwester Stefania von den Franziskanerinnen.  Im Sommer bei Temperaturen weit ueber 40 Grad liegen die Kohletraeger manchmal halb ohnmaechtig neben der Strasse, „weil sie einfach nicht mehr weiter koennen“, so Stefania. Zwei bis dreimal in der Woche machen sie sich auf den beschwerlichen Weg.

Pro Ladung erhalten sie etwa 1000 Rupies (14 Euro). Das reicht gerade so zum Leben, denn an den Kohletraegern haengen ihre Familien. Und der Transport ist hoechst illegal. Denn die Kohle holen Frauen und Kinder unerlaubt von den nahegelegenen Kohleminen oder stehlen sie von Trucks und Zuegen. „Aber das ist die einzige Moeglichkeit, die Familien einigermassen zu ernaehren“, sagt die Schwester.

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Datum: Freitag, 18. November 2011 5:48
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Ein Kommentar

  1. 1

    Liebe Chantal.
    Du hast die „Kohlenträger“ sehr gut beschrieben. Diese Route bin ich oft bei starkem Regen mit dem Krankenwagen gefahren.Interessant waren dann die Zweige, die in der Straße im Wasser steckten. Man sagte mir, das seien Zeichen für ein tiefes Erdloch.Etliche Male haben wir solch ein Loch hautnah erlebt, da kein Stock in der Dunkelheit in Sicht war. Ergebnis–kaputtes Auto und Kreuzschmerzen.Zudem fuhren die Trucks meist nur einäugig, um ihre Batterie zu sparen, grausam.
    Liebe Grüße
    Leila

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