Schoen scharf und manchmal stachelig

„How do you like your dish“, ist die Frage, die man im Restaurant gleich nach der Bestellung gestellt bekommt. Und dann antwortet man besser nicht „indisch scharf“. Denn selbst fuer Scharfesser ist die indische Schaerfe zu viel. Nebenwirkungen sind dann stante pede Schweissausbrueche, Geschmacksverlust oder Durchfaelle. Wer das Essen noch geniessen moechte, bestellt also weniger Chilis und European Style. Und wer sonst nicht vor Gewuerzen und ungewoehnlichem Obst und Gemuese zurueckschreckt, wird das indische Essen lieben. Denn die Inder haben einen grossen Vorteil: In ihrem Land wachsen alle Obst- und Gemuesesorten in einer riesigen Vielfalt. Auf den Maerkten findet man dutzende verschiedene Erbsensorten und noch einmal so viele Linsen. Die Gemuese sehen allerdings manchmal gewoehnungsbeduerftig aus. Mal sind sie lang und duenn und wirken eher wie ein trockener Fruchtstand (Drumsticks), mal sind sie stachelig wie Kakteen, runzelig wie alte Kartoffeln oder pickelig wie ein Juengling. Aber alle haben eines gemeinsam: sie schmecken lecker.

Vielleicht liegt es an der Vielfalt oder weil es so viele Lieblingsgerichte gibt, auf alle Faelle essen die Inder mindestens drei Mal am Tag warm. Schon morgens gibt es Reis, Currys mit Fleisch, Fisch oder Gemuese, Papam und Chapatis (Brotfladen), Dohsas (Reiskuchen) und Mixed Pickles. Alles natuerlich schoen scharf. Mittags gibt es dieselbe Vielfalt meistens noch mit mehreren Gemuesesorten kombiniert. Zum Nachmittagstee wird einem dann von Samosas ueber unertraeglich suessen Kekschen bis zu Mixture (scharf-wuerzigen Teilchen) alles serviert. Und abends erhaelt man noch mal das volle Angebot an Fleisch, Fisch, Gemuesen und Obst und vor allem viel Reis. Denn der Inder an sich liebt Reis und isst, wenn er es sich leisten kann, erfahrungsgemaess am Tag so viel wie eine vierkoepfige deutsche Familie. Dazu haeuft er sich Berge an Reis auf seinen Teller, traeufelt ein wenig Curry darueber und bugsiert das ganze mit der  rechten Hand in den Mund. Ist das Gericht dann nicht scharf genug, gibt es auf fast jeder Tafel noch Nachschaerfer, wie gruene Chilis oder Mixed Pickles – und die sind dann ganz ohne Nebenwirkungen geniessbar, zumindest fuer den Inder.

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Datum: Montag, 21. November 2011 13:27
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